Die Nürtinger Damen haben es tatsächlich geschafft. Drei Jahre nach dem freiwilligen Rückzug aus der Oberliga und dem folgenden traurigen Abstieg der SG in die Bezirksliga, ist das Nürtinger Aushängeschild der ohne Zweifel schönsten Ballsportart wieder zurück in der Oberliga.

Nach dem direkten Wiederaufstieg aus der Bezirksliga in die Landesliga und nur zwei Spielzeiten in der LL Süd, schafften die Mädels um Trainer Reiner Single die Rückkehr ins württembergische Oberhaus. Nachdem man bereits im Vorjahr als Landesliga-Zweiter den erhofften Aufstieg in der Relegation denkbar knapp verpasste, konnte die Mannschaft in der zurückliegenden Saison sofort wieder an die erfolgreiche Vorsaison anschließen. Bis kurz vor Weihnachten wurde jedes Spiel gewonnen.

Die erste Niederlage dann auswärts gegen Baustetten war ein Weckruf zur richtigen Zeit. Danach war wieder die richtige Fokussierung zu erkennen, der Erfolg kam zurück. Mit dem ständigen Druck, gewinnen zu müssen, gingen die Mädels sehr gut um. Alles war vorbereitet für das „Endspiel“ in eigener Halle gegen Mitfavoriten und Tabellenzweiten Baustetten. Ein Sieg wäre der frühzeitige Aufstieg gewesen. Und dann kam nur wenige Tage vorher der coronabedingte Abbruch der Saison. Die Angst, dass durch eine Stornierung der Saison der bevorstehende Aufstieg nicht mehr erreicht werden könnte, war nervenaufreibend. Umso größer war die Freude, als mit der Entscheidung des VLW der Aufstieg feststand. Wegen des besten Koeffizenten schlossen wir die Saison auf dem ersten Platz ab.

Motiviert wollten wir das Projekt Oberliga starten, wurden aber kalt von einer Entscheidung unseres langjährigen Spielgemeinschaft-Partners TSV Wernau erwischt. Erst auf Nachfrage wurde uns mitgeteilt, dass Wernau nicht für eine Spielgemeinschaft in der Oberliga zur Verfügung stehen wird. Schnell war klar, dass wir mit dem Gros der Spielerinnen für die Oberliga planen wollen. Nicht zuletzt nach Gesprächen mit TGN Abteilungsleiter Chris Epp war klar, Nürtingen meldet im Zweifel auch alleine für die kommende Saison. Es gibt sie also wieder: die erste Damenmannschaft der TG Nürtingen und das mit einem guten Gefühl und viel Unterstützung von Seiten des Hauptvereins. Alle freuen Sich darauf, kommende Saison spannende Spiele auf dem Lerchenberg zu sehen. Die Mannschaft wird diese Herausforderung mit viel Motivation und Vorfreude annehmen.

Mit einem Wermutstropfen müssen die Nürtingerinnen dabei umgehen. Zwei Spielerinnen, die nicht zuletzt in der Aufstiegssaison großen Anteil am Erfolg hatten, stehen der TG nicht mehr zur Verfügung. Mit Nici Guilliard verliert die Mannschaft ein Urgestein und eine große Stütze der Mannschaft. Die gesamte Zeit der Spielgemeinschaft hat sie als Mittelblockerin mitgestaltet, alle Aufstiege mitgemacht. Nici will kürzertreten – ein bisschen hat man im Nürtinger Lager noch die Hoffnung, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Als letzte Saison unsere zweite Zuspielerin Antje Siegel verletzt ausfiel, konnte der Trainer mit Bine Bauer, der wohl variabelsten Spielerin des Kaders, die Lücke im Stellspiel hervorragend schließen.Spektakulär war nicht zuletzt die Variante mit Bine und Stellerin Fenna Renz im 4/2 System. Wohnhaft in Ulm hat sich Bine für die kommende Saison dem SSV Ulm angeschlossen. Wir sind traurig! Viel Erfolg in der LL Süd, liebe Bine.

Trotz dieser Abgänge sind die Nürtinger für die kommende Saison sehr zuversichtlich. Trainer Single setzt auf eine gute Mischung. Neben den Oberliga erfahrenen Routiners Ulla Zimmermann, Suse Katzmaier und Kerstin Schröder zeigen die „Jungen“ um Kapitänin Lilly Rieger und Zuspielerin Fenna Renz, sowie Cara Dolde und Vero Mosantu im Diagonalangriff immer mehr ihr Potential. Die Dettinger Zugänge Nadine Gere auf der Mitte, Laura Bast als Libera und Chiara Ernst auf Außen haben sich super integriert. Niki Pröschild verstärkt die Mannschaft auf der Mitte. Antje Siegel steht den Nürtingerinnen nun auch wieder im Zuspiel neben Fenna Renz voll zur Verfügung. Aus der Nürtinger Zweiten kam Carina Ott. Sie verstärkt die Außenposition und die Annahme.

Am 3. Oktober startet die neue Saison mit dem Heimspiel gegen Mitaufsteiger Baustetten. Sozusagen das letzte nicht gespielte Endspiel der letzten Saison ist die Premiere in der Oberliga – ein verrückter Zufall. Im Nürtinger Lager ist man gespannt, wie sich die Mannschaft im Pool der zehn Oberligateams schlagen wird. Man ist sehr zuversichtlich, dass das gesichertes Mittelfeld als Saisonziel mit viel Energie und toller Motivation erreichbar sein wird. Auf jeden Fall wird es die Mannschaft wieder ein Stück in ihrer Entwicklung weiterbringen. Nun bleibt zu hoffen, dass wir trotz der unsicheren Corona Lage die Saison spielen dürfen. Vielleicht sogar mit vielen Fans in der Oberliga-erprobten alten Högy-Halle.