Comebacks, Comebacks, Comebacks!

SG Volley Neckar-Teck III - TSV Leinfelden 3:2 (18:25, 17:25, 25:20, 25:19, 15:10)
SG Volley Neckar-Teck III - VSG Kernen 1:3 (18:25, 25:20, 25:23, 23:25)

von Max Klein

Fast mit vollständiger Besetzung von 9 Mann traten die Herren der SG Volley Neckar Teck 3 am vergangenen Samstag zu ihrem ersten Heimspiel an. Allerdings musste die Truppe coronabedingt nicht nur auf ihre Zuschauer sondern auch auf Spielertrainer Oliver Kaufmann verzichten welcher vom alten Hasen Christian Kubin vertreten wurde. Gäste an diesem Tag waren die maskierten Gegner aus Leinfelden und Kernen.

Der erste Gegner des Tages war der TSV Leinfelden und er beschwerte der SG sogleich einen schweren Start. Geprägt von Eigenfehlern, hauptsächlich in Annahme und Aufschlag, konnte Leinfelden den ersten Satz nach 20 Minuten souverän für sich entscheiden. Auch im zweiten Satz war leider noch keine Verbesserung in der Annahme zu verbuchen. Grund hierfür war -mit größter Wahrscheinlichkeit- der Gesundheitszustand des Nürtinger Annahmeriegels. Diagnose: Akuter Vitamin-D-Mangel.

Denn während der ersten beiden Sätze ließen ihn die Leinfeldener Spieler nicht aus dem Schatten ihres Sichtblocks entkommen wodurch die Nürtinger im Angriffsaufbau kaum Sonne sahen. Dadurch ging auch der zweite Satz und erste Ligapunkt des Tages an die Gäste vom TSV. Eine neue Strategie sollte zum dritten Satz die Wendung bringen: Abwehrpositionen anpassen und gegnerische Taktik klauen. Und wie erhofft konnte die SG nicht nur mit einem eigenen Sichtblock dagegen halten sondern auch mit der verbesserten Abwehr zunehmend druckvollere Angriffe starten, was ihnen nach 21 Minuten den 25:20 Satzgewinn bescherte.

Mit neu gewonnenem Schwung und der Aussicht, sich mindestens einen Punkt zurück zu ergattern ging es in den vierten Satz. Auch die Gäste vom TSV wollten wieder Druck machen und schafften es, sich nach einem anfangs ausgeglichenen Schlagabtausch mit drei Punkten in Führung zu setzen. Eine frühe Auszeit um den gegnerischen Rhythmus auszubremsen sollte die Wende in diesem Spiel bringen. Und sie tat es in Form der SG 3er Außenangreiferkanone Nils Engelmann im Aufschlag und der soliden Teamleistung am Netz, die den TSVlern für sieben aufeinanderfolgende Punkte keine Möglichkeit zum Side-Out gab. Zwar schafften es die Gäste schrittweise Punkte zurück zu holen, doch der vierte Satz trug klar den Stempel der SG Volley Neckar Teck, welche diesen mit 25:19 nach Hause holte.

Ungebremst ging es für die SG, die nach zwei in Folge gewonnenen Sätzen erneut on Fire war, in den alles entscheidenden Tie-Break.Mit sechs konsekutiven Aufschlägen durch Diagonalneuzugang Max Klein konnte sich die SG eine anfängliche 7:1 Führung erspielen und schaffte es, trotz kleinerer Leistungseinbrüche im zweistelligen Punktebereich, das Spiel mit 15:10 zu gewinnen und ihre Tagesligapunkte zu verdoppeln.

Cirka eine Stunde später durfte dann der VSG Kernen die Masken abziehen und der SG auf dem Spielfeld die Zähne zeigen. Für die SG ging es leider mit dem selben Rezept weiter, mit dem sie bereits vor knapp zwei Stunden gegen den TSV Leinfelden begonnen haben. Eine kräftige Portion Eigenfehler, wenig druckvolle Angriffe, eine Prise Aufschlagfehler im falschen Moment , das ganze ca. 20 min ziehen lassen und fertig war der 18:25 Satzverlust. Auch im zweiten Satz wollte der Knoten noch nicht so recht platzen. Die druckvollen Angriffe vom VSG ließen der SG wenig Raum aus ihrer Abwehr selbst gute Angriffe aufzubauen und auch den Aufschlag holten sich die Gäste aus dem Remstal nach maximal 3 Punkten zurück, was ihnen mit sechs Punkten Führung ihren ersten Tagespunkt sicherte.

Die Ansage seitens SG vor dem vermeintlich letzten Satz war kurz und knapp: Wenn wir das her geben, dann auf jeden Fall nicht zu Null! Zwar konnten sich die VSGler früh mit einer komfortablen 6:1 Führung absetzen, doch die Ansage vor dem Spiel schien neue Geister geweckt zu haben. Nicht nur die Eigenfehlerquote schwand, sondern auch die Nürtinger Abwehr konnte sich immer besser auf die gegnerischen Angriffe einstellen. Durch geschickt platzierte Punkte der stets bereiten Mittelblocker Gordon Marold und Sebastian Späth konnten sich die Nürtinger Punkt für Punkt zurück kämpfen und den Satz am Schluss mit 25:23 für sich entscheiden.

Der neunte Satz des Tages begann und man merkte den Nürtingern an, dass der Geist zwar willig, aber der Körper geschwächt war. Ermüdungserscheinungen jeglicher Art kamen in Form von Kernener Punkten zurück wie ein Bumerang, die eine 4:8 Führung in kürzester Zeit auf eine 9:18 Führung verdoppelten. Der VSG nutze diese Führung für diverse Wechsel um noch jedem Spieler im Kader die Chance auf Spielbeteiligung zu geben. Knapp 18 Minuten im Spiel kam es dann zum Matchball eines bis dahin recht eindeutigen Satzes bei einem Stand von 24:16. Sehr zum Vergnügen aller Anwesenden, Heimmannschaft wie Gastmannschaft, landete dieser alles entscheidende Ball jedoch direkt im Netz.

Diese scheinbare Lappalie brachte jedoch den Mann, der die meisten Kilometer auf dem Feld zurück gelegt hat zum Aufschlag – Sternchenzuspieler Sebastian Klimpel. Und der dachte wahrscheinlich bloß: Nope. Denn der durch einen Aufschlagpunkt initiierte, beinahe schon galgenhumoristische Countdown zum so dringend benötigten 26. Punkt war der Auftakt zu etwas Großem. Der zweite Nürtinger Folgepunkt schien dann in scheinbar jedem SGler neue Lebensgeister zu wecken, denn ab da passte einfach alles. Konnten die VSGler einen druckvollen Klimpel-Aufschlag in einen vernünftigen Angriff umwandeln trafen sie auf den Nürtinger Block. Dann die perfekt stehende Abwehr. Dann der daraus folgende Konterangriff. Punkt für Punkt wurde der Countdown der Anfeuerungsrufe kleiner und die Remstaler Nervosität größer. Beim Spielstand von 24:21 mussten die VSGlern zu direkteren Maßnahmen greifen und die ihre erste Satzauszeit nehmen. Unbeeindruckt davon folgte wenige Sekunden danach der nächste Klimpel-Punkt. Dem 24:22 folgte die nächste Kernener Maßnahme: dem Doppelrückwechsel ihrer Routiniers. Doch auch nach dieser Maßnahme behielten die SGler die absolute Spielkontrolle. 24:23! - Die zweite und letzte Auszeit eines sichtbar nervösen Kernener Teams. Den Ligapunkt bereits vor Augen ging es nach 30 Sekunden zurück aufs Feld und jeder einzelne SGler war bereit Alles für die letzten Punkte zu geben. Die Hallenluft, erfüllt von Euphorie die beinah greifbar war – bis der alles entscheidende Aufschlag an der Netzkante kleben blieb und wie ein Stein ins Nürtinger Feld zurück fiel. Ein Punkt, den die erleichterte VSG vom tragischen Helden des Spiels, Sebastian Klimpel, überaus dankbar annahm und schlussendlich mit drei Punkten nach Hause fahren durfte.

Ohne Zweifel jedoch: ein Samstag der Comebacks. Glücklich über zwei zurück erkämpfte Punkte vom TSV Leinfelden und der Ungewissheit wie es wohl gegen den VSG Kernen hätte ausgehen können konnte die SG Volley Neckar Teck 3 eine insgesamt positive Bilanz ziehen. Denn wenn man schon verliert, dann wenigstens um jeden Punkt kämpfend.

Es spielten:
Christian Epp, Christian Kubin, Gordon Marold, Khai Ho, Maik Puschmann, Max Klein, Nils Engelmann, Sebastian Klimpel, Sebastian Späth