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(Fast) Nix zu hol’n, Nix zu hol’n, Nix zu hol’n

SG Volley Neckar-Teck III - TV Cannstatt 1846 3:2 (25:16, 25:22, 20:25, 22:25, 15:12)
SG Volley Neckar-Teck III - TSV Leinfelden 3:1 (25:20, 25:19, 22:25, 25:20)

von Max Klein

Ein frühlingshafter Samstagmittag läutete den (offiziell) letzten Spieltag der aktuellen Saison, der zugleich auch auf heimischem Nürtinger Boden stattfinden sollte, ein. Zu Gast waren die Mannschaft des TV Cannstatt mit der man sich bereits im Hinspiel ein nervenaufreibendes Duell lieferte (-damals ging jeder Satz in die Verlängerung-), sowie erstmalig in dieser Saison der TSV Leinfelden, der bereits einige Spiele (so auch das Hinspiel gegen die SG 3) in dieser Saison ausfallen lassen musste.

Alle drei Mannschaften mussten an diesem Tag auf ihre Liberos verzichten, sowie auch mit anderen personaltechnischen Einschränkungen auf den Platz. Und obwohl es rechnerisch bei keiner der drei Mannschaften mehr um Auf- oder Abstieg ging, spiegelte dies keinesfalls die Spiele des vergangenen Wochenendes wider. Klar verdient schaffte es die SG 3 am Ende aber doch mit zwei spannenden Spielen letzten Heimspieltag der Saison mit einem Doppelsieg gegen beide Kontrahenten perfekt zu machen.

Zugegeben, der mittlere Teil des letzten Abschnitts entspricht in der Form nicht ganz der Wahrheit, denn obwohl die SG mit dem abwesenden Khai Ho und dem in der ReHa-Phase befindlichen Fabian Gärtner auf ihre beiden Liberos verzichten musste, durfte Außenangreifer Andreas Bandle dank seiner soliden Annahme- und Abwehrleistungen ein Debüt als Spezial-Libero feiern. Zudem zog sich Mannschaftspapa Christian Kubin, an Stelle des abwesenden Oliver Kaufmann, zusätzlich das Trainer-Cappy auf seine Kapitänsmütze, fest entschlossen seine Jungs mit Kampfgeist, Spaß und vielen Spielbeteiligungen zum Sieg zu führen.

Auf ging es also in den ersten Satz, zum Rückspiel gegen den TV Cannstatt. Ein klassisch langsamer Start auf Nürtinger Seite führte bereits zu Beginn zu ein paar Punkten Rückstand, doch früher als sonst üblich fanden die Jungs ihre Konzentration und ließen mit der Aufholjagd nicht lange auf sich warten. Gute Aufschläge und konzentriertes Stellungsspiel in Angriff und Abwehr ließen die Jungs der SG 3 schnell die Kontrolle über den Satz gewinnen und nach einer 6 Punkte Aufschlagserie durch Diagonalangreifer Max Klein zur Mitte des Satzes machten die Nürtinger den Sack vollends zu. 25:16, 1:0 Nürtingen.
Auch im zweiten Satz gaben die Nürtinger, abgesehen von ein paar kleinen Aussetzern, noch immer das Tempo gegen die inzwischen aufgeweckteren Cannstatter vor. Die Versuche selbst Tempo aufzubauen, wurden von Zuspieler Sebastian Klimpel mit beinahe unverschämt vielen frech gelegten Bällen ins Sechserloch unterbunden. Und sobald doch mal ein Cannstatter Block zur Stelle war, stand Azubi-Libero Bandle schon zum rauskratzen in der Blocksicherung. In Kombination mit den anderen konzentrierten Angreifern ließ das 25:20 nicht lange auf sich warten. 2:0, erster Punkt des Tages auf Nürtinger‘schem Boden.


Mit einem Ligapunkt in der Tasche starteten die Nürtinger mit einer neuen Aufstellung in den dritten Satz. Für Mannschaftspapa Kubin und Mittelblocker Sean Böhm wurden Routinier Gordon „Gogo“ Marold und der nach längerer Verletzungspause frisch genesene Alex Häberle in die Starting Six geholt. Gleich von Beginn an konnten die beiden sich gut im Spielfluss ihrer Mannschaft zurechtfinden und die Nürtinger starteten mit frischer Man-Power zur Abwechslung mal mit einer frühen Führung. Wie aber in den meisten guten Geschichten darf auch für die gewisse Spannung im Spiel die dazugehörige Wendung nicht fehlen. In Filmen und Romanen spricht man von der „unerwarteten“ Wendung, in Nürtingen kennt man sie jedoch zu gut, um einer solchen Betitelung gerecht zu werden. Denn nach einer Hochphase kam wieder mal ein Tief. Dieses Mal in Form von zu vielen Aufschlagfehlern an den zu falschen Zeitpunkten. Missglückte Aufschläge bei fast allen Spielern machte es den Nürtingern schwer einen Spielfluss wie zuvor im ersten Satz aufzubauen und verhalf den Canstattern mehr und mehr zurück ins Spiel. Den Fuß vom Gas nehmend wurden auch die Aufschläge entsprechend mehr auf Sicherheit gespielt, was den Gästen ermöglichte die Zügel an sich zu reißen und den dritten Satz mit einem komfortablen 20:25 für sich zu entscheiden. Der Spielstand – nun 2:1.


Mit Gleichbleibender Aufstellung ging es in den vierten Satz. Die Gäste vom TV Cannstatt, nun mit deutlich mehr Fahrt, setzten das Pressing gegen die Nürtinger mit gleichbleibender Stärke wie im Satz zuvor fort. Unbeeindruckt und mit mehr Kampfgeist hielten die Nürtinger mit guten Annahmen sowie Blocks dagegen und konnten dem Cannstatter Punkteausbau stetig trotzen. Leider fehlte auch hier wieder das kleine Quäntchen Fokus im Aufschlag und durch Aufschlagfehler zur falschen Zeit oder zu wenig Wumms hinter denen die ins gegnerische Feld kamen konnten die SGler einfach zu wenig Druck auf die angriffsstarken Cannstatter ausüben. Beim 22:24 war es an Außenangreifer Aleksej Ebel ein Zeichen zu setzen und mit einem schnellen, kraftvollen Topspin Aufschlag auf die gegnerische Grundlinie zeigte er seinem Team, dass die Aufschlagoffensive doch noch da war. Nach -zumindest gefühltem- minutenlangen Überlegen entschied sich der Unparteiische an der Grundlinie dann leider doch, dass der Ball wohl wenige Nanometer im Aus gewesen sein muss. Knapp umkämpft musste auch der vierte Satz mit 22:25 an die Gäste mit Stuttgarter Kennzeichen abgegeben werden und schweren Herzens verabschiedete sich ein Punkt von den Nürtingern. 2:2 Tie-Break!


Mit der Startaufstellung des ersten Satzes und dem Aufschlagsrecht ging es in die Alles entscheidende Runde. Die nun angriffswarmen Cannstatter drehten nochmal auf, wurden aber mit gleicher Münze von Nürtinger Schmetterbällen begrüßt.
Nach ein paar Punkten voller Kopf-an-Kopf Rivalität drängte sich der Nürtinger Zuspieler mit Punkten durch ein paar freche Klimpel-Pritscher ins Sechserloch ins Spotlight, musste seinen Platz jedoch schnell mit Neo-Libero Bandle teilen dessen Abwehrarbeit den SG-Spielfluss in prekären Situationen am Laufen hielt. Frei nach dem Motto „Teamwork makes the dream work“ schnappte sich die Nürtinger SG damit die Führung und gab sie nicht wieder her. Alle Spieler auf Feld so wie Bank waren nun als Einheit fest entschlossen das Ding nach Hause zu holen. Die Aufschläge, zwar nicht kraftvoll dafür aber sicher, hielten den Nürtinger Flow am Laufen und so sehr sich Cannstatt auch bemühte schafften sie es letztlich nicht den Anschlusstreffer zu punkten. Die letzte schöne Abwehr – der Ball raus auf Dia – Schmetterball – Heimspielsieg! Ein verdientes 3:2 Endergebnis für eine euphorische Nürtinger Mannschaft.

Keine Stunde später war es schon wieder Zeit für die nächste Begegnung des Tages. Die Gegner vom TSV Leinfelden waren, trotz ihres Tabellenplatzes, schwer einzuschätzen, da es nicht nur das erste Aufeinandertreffen in dieser Saison war, sondern auch die Platzierung durch krankheitsbedinge Spielausfälle (sechs von zehn Spielen mit 0:75) beeinflusst wurde und kein wahrheitsgemäßer Indikator ihrer Spielstärke war. Gleich von Beginn an wurden sie von der stärksten Nürtinger Aufstellung unter Führung von Papa Kubin begrüßt. Trotz Beschnupperung hielten die Nürtinger dennoch an einer konzentrierten Spielweise fest und holten sich mit einem angenehmen 5-Punkte Vorsprung den ersten Satz mit 25:20 nach Hause.


Was jedoch auch nach einer Stunde Pause nicht abgeschüttelt werden konnte war der Nürtinger Aufschlag-Fluch, der seit dem dritten Satz gegen Cannstatt an ihren Fingern haftete. Glücklicherweise ließen sich auch die Leinfeldener davon anstecken was den zweiten Satz, zumindest aus Aufschlagssicht, ausgeglichener machte. Dadurch konnten die Nürtinger mit überlegenerer Abwehr und Angriff einen deutlichen Punkteabstand gewinnen. Zum Ende des zweiten Satzes folgte für die Zuschauer, die sich vom Spiel der Nürtinger Damen im benachbarten Hallendrittel her verirrten, ein ganz besonderer Augenschmaus. Zuspieler Klimpel, der bereits im Cannstatt Spiel am Netz mit mehreren Solo-Block-Punkten glänzte und Außenangreifer Kubin tauschten plötzlich die Positionen. Als mutmaßlich gefundenes Fressen wurde Klimpel sofort das Ziel der gegnerischen Aufschläge, konnte sich aber bereits bei seiner zweiten Annahme einen Schmetterball der als Rebound auf die Netzkante zurückkam und von Mittelblocker Sean Böhm versenkt wurde als Assist gutschreiben lassen. Synergie pur, auf jeder Position. 2:0 für die SG 3.


Mit dem Start in den möglicherweise letzten Satz der Saison wurde noch einmal der Versuch einer Revolutionierung gestartet und so betrat eine Starting Six mit Zuspieler Klimpel im Angriff und Angreifer Kubin im Zuspiel das Feld. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten und einer Handvoll zugespielter Bälle von denen diverse in Punkten resultierten, wechselte sich Zuspieler Kubin für den Diagonalangreifer Max Klein aus und bis-dato-Angreifer Klimpel durfte wieder zurück zu seinen Zuspieler Wurzeln. Was für die SG ein spannendes Experiment war, war für die Leinfeldener Gäste der Anstoß Fahrt aufzunehmen. Zunehmend stärkere Angriffe, sowie eine Aufschlagsquote von ca 50% auf Nürtinger Seite gaben den Gästen genug Rückenwind, um sich mit einigen Punkten abzusetzen. Eine fünfpunktige Aufschlagserie der Leinfeldener #12, sowie Schwächen in der Nürtinger Annahme besiegelte den dritten Satz mit 22:25 für den Gegner. 2:1 – es wurde nochmal spannend.


Der TSV, nun deutlich aufgeweckter als zuvor, tat alles daran den Nürtingern das Leben schwer zu machen. Deutlich stärkere Angriffe prasselten auf die Nürtinger Abwehr und Fehler der nach acht Sätzen immer müder werdenden SG 3 wurden direkt ausgenutzt. So schwach jedoch der Körper, umso williger war der (Kampf-)Geist der Nürtinger. Anfeuerung durch Bank und Fans hoben die SG-Jungs noch einmal an und es wurde verbissen um jeden Punkt gekämpft. Punkt für Punkt baute sich der Nürtinger Zähler vom Gleichstand bis zur Führung aus, die Stimmung dabei nicht abreißend. 24:20 für Nürtingen, der Gegner mit einem letzten Angriff. Abwehr durch Klimpel, die Mittelblocker Böhm zum Hilfszuspiel zwingt. Dieser entscheidet sich für die ihm einzige bekannte Richtung – das Zuspiel überkopf. Schmetterball von Außen, 25:20!! 3:1 SG 3!

Zwar konnte man leider nicht alle 6 Punkte in der Nürtinger Halle am Lerchenberg halten, jedoch wurde in zwei bis zum Ende spannenden Spielen gezeigt, dass man im Högy am Ende doch dem Titel der Hausherren (und einem zumindest kurzweiligen 2. Tabellenplatz) würdig ist.

 >> nachwirkend bedankt sich die Redaktion bei den Mannschaftswohltätern Christian Kubin und Aleksej Ebel für ihr besonderes Engagement bei einem Spielstand von 24:X <<

Für die SG: Ebel, Häberle, Bandle, Kubin, Marold, Klein, Böhm, Klimpel, Späth